Abenteuer Welt: Auf den Reichenstein

Obwohl wir uns schon längst im Wanderherbst befinden, erinnern diese wunderbaren Temperaturen doch eher an Sommer! Wir haben einen tollen Bericht von Armin Weinzierl, wie er im Sommer den Reichenstein erklommen hat - die Wanderung ist nicht nur an heißen Tagen ein tolles Erlebnis!

Thema:
Abenteuer Welt

Abenteuer Welt:
Auf den Reichenstein

Passend zu unserem wunderbaren Herbstwetter, welches sich wirklich von seiner allerbesten Seite zeigt, haben wir eine wunderbare Schön-Wetter-Wanderung für euch! Armin Weinzierl, seines Namens ein echter Bergfex, hat diesen Sommer den Eisenerzer Reichenstein bestiegen und berichtet uns nun von den tollen Erlebnissen und Eindrücken dieser Wanderung. Der Gipfel kann natürlich nicht nur im Sommer bestiegen werden, es sollte allerdings auf die passende Ausrüstung geachtet werden. 
Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen! 

Um nach einem langen Arbeitstag am Schreibtisch abschalten zu können, sucht jeder seine eigenen Wege. Ich finde diese angestrebte innere Ruhe und Ausgeglichenheit am besten bei einer Wanderung, abseits vom Lärm der für mich hektisch wirkenden Stadt, in der Natur. Die Berge strahlen auf mich diese stoische Ruhe und Gelassenheit aus, die meinen Geist wacher werden lässt und mir den Blick auf das Wesentliche im Leben erleichtert. Der deutsche Maler und Dichter Paul Klee meinte: "Bewegen liegt allem Werden zugrunde" - im gleichmäßigen Bewegen in Richtung Berggipfel, kehren mit jedem Schritt, Ruhe und Gelassenheit in mir ein. Ich erreiche nach einer gewissen Zeit des Gehens eine beinahe meditative Stimmung. Die im Kopf kreisenden Gedanken werden langsamer und ein inneres Hochgefühl, erfüllt meinen Geist mit neuen Ideen. Neben der angestrebten körperlichen Ertüchtigung ist dies meine Motivation fürs Bergsteigen.
So ist es zu meiner Gewohnheit geworden, dass ich während der Sommermonate (und eigentlich während des ganzen Jahres), abends, zu "after-work-Touren" in die obersteirische Bergwelt rund um Eisenerz losziehe. Zahlreiche schnell zu erreichende Gipfel, die imposante Ausblicke zu bieten haben, warten, um von begeisterten "Bergfexen" erobert zu werden.

Mein heutiges Ziel, ausgehend von der Passhöhe des Präbichls, ist der Eisenerzer Reichenstein, der zweithöchste Gipfel der Eisenerzer Alpen. Dunkelblauer, Wolken freier Himmel und ungetrübter Sonnenschein gelten als sicheres Versprechen, dass ich bei der heutigen Tour, dankbarer Zeuge eines imposanten Sonnenuntergangs sein werde. Schnell kontrolliere ich den Inhalt meines Rucksackes und überprüfe noch den Ladezustand des Akkus meiner Northland-Stirnlampe - dem wichtigsten Utensil der heutigen Tour. Denn der geplante Abstieg wird nach Sonnenuntergang in der Dunkelheit der Nacht stattfinden. Daneben verstaue ich noch ausreichend warme Bekleidung, denn nach Sonnenuntergang sinken sehr rasch die Temperaturen in der luftigen Höhe von 2.165 Metern.
Ein tiefer Atemzug kristallklarer, frischer Bergluft und los geht´s. Entlang der Skipiste der Grübelabfahrt setzte ich die ersten Schritte in Richtung Gipfel. Das Gipfelkreuz des Eisenerzer Reichensteins, das im Licht der Sonne blitzt, zieht mich magisch an.

Nach relativ kurzer Zeit erreiche ich den Rösselhals, der einen ersten Ausblick auf den steirischen Erzberg und die mächtigen Gipfel rund um das Gesäuse bietet. Angenehmer Wind, der ein bisschen auffrischt zieht über den Kamm. Mehrere Paragleiter des Soringclubs Präbichl warten hier noch geduldig auf passende Windverhältnisse um unbeschwert im Glanz der Abendsonne in Richtung Tal zu schweben. Kurz unterhalte ich mich mit einem der Piloten, der meint, dass der Wind nachlassen werde, und heute noch perfekte Flugbedingungen vorherrschen werden.
Ich gehe den sanft ansteigenden Kamm weiter und erreiche sehr bald die kurze Eisenstiege, die steil über einen Felsblock führt. Diese kann für weniger Geübte problemlos umgangen werden. Ich wähle die kurze und knackige Aufstiegsvariante um rasch zum Gipfel zu gelangen. Der Wind schwächt, wie erwartet ab, sodass mittlerweile mehrer Paragleiter gestartet sind und sich am Himmel tummeln. Ich versuche mir dieses Gefühl des schwerelosen und lautlosen Schwebens in der Luft vorzustellen.

Nach Erreichen des Gipfels genieße ich die Stille und Ruhe, richte meinen Blick in Richtung Westen und lasse mich von den letzten Sonnenstrahlen des heutigen Tages wärmen. Dabei kann ich das bunte und luftige Treiben der Paragleiter, die im sanfter werdenden Licht der Abendsonne am Horizont schweben, bewundern.
Bevor ich den Rückweg ins Tal antrete, statte ich noch Gerhard, dem Pächter des Reichenstein Schutzhauses einen kurzen Besuch ab. Einige wenige Bergkameraden, die im Schutzhaus übernachten werden, sitzen auf der Terrasse der Hütte und genießen, gleich wie ich, die Ruhe und Stille der noch jungen Nacht. Ich trinke noch ein gut gekühltes Hüttenbier, unterhalte mich mit Gerhard und mache mich dann bereit für den Abstieg.
Wir verabschieden uns herzlich und ich gehe sorgsam den Weg, der sich an die steile Flanke des Berges schmiegt, in Serpentinen talwärts.

 

Im Dunkel der Nacht, unter sternenklarem Himmel, leuchtet mir der breite Lichtkegel meiner Stirnlampe den steilen Weg gut aus. Immer wieder blicke ich auf das beleuchtete Eisenerz, das mit fortschreitender Stunde in den ruhigen Nachtschlaf sinkt. Als ich den Rösselhals erreiche, wird die Stille der Nacht kurz von den fahrenden Radladern und Haulis, die das abgebaute Erz zu Tal bringen unterbrochen. Ich kehre wohlbehalten noch vor Mitternacht zum Auto zurück. Beeindruckt und überwältigt von den heutigen Impressionen fühle ich mich glücklich und zufrieden. Ein breites Lächeln im Gesicht sind der Ausdruck meiner grenzenlosen Dankbarkeit für das heutige Bergerlebnis.

Armin Weinzierl

 

 

 

Tipp & Anmerkung: Für weniger Geübte, die vielleicht die Tour nachgehen wollen, empfehle ich auf der Reichensteinhütte zu nächtigen. Für Frühaufsteher besteht die Möglichkeit am darauffolgenden Morgen noch Zeuge eines Sonnenaufgangs zu sein. Die geräumige Hütte bietet zwar 50 Schlafplätze, dennoch empfehle ich einen Schlafplatz zu reservieren. Die Tour fand nicht während der Wildschonzeit statt, sodass Paragleiter freien Flug hatten. Dies ist allerdings nicht das ganze Jahr der Fall. Über die möglichen Zeiten der Paragleiter bitte im Vorfeld informieren. 

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